Mitreissende okzitanische Lebensfreude

Wieder ist es der Kunstgesellschaft Greifensee gelungen, ihren Abonnenten und weiteren Musikliebenden einen wirklich speziellen Anlass zu bieten. Am Samstagabend verzauberte Musique Simili mit ihrem aktuellen Programm SOLySOMBRA das Publikum im ausverkauften Landenberghaus.

Nachrichten aus Greifensee, eb., 17.03.2011

SOLySOMBRA (Sonne und Schatten) steht für die Sonne, die aufgeht, wenn die drei Musiker von Musique Simili die okzitanische Sprache aus ihrem «Schattendasein » auf die Bühne holt.
Bestimmt war kaum jemand im Saal der okzitanischen Sprache mächtig, dieser Sprache der Südfranzosen des Mittelalters. Sie erinnert vom Klang her mehr an Spanisch als an Französisch. Doch Line Loddo besitzt diese ganz spezielle Art von Stimme, die über alle Sprachgrenzen hinweg verständlich ist. Ob fröhlich und heiter, ob nachdenklich oder gar traurig, man ahnt zumindest, worüber sie singt.
Es heisst, Okzitanisch sei die rebellische Version des Französischen. Okzitanisch stand für Unbändigkeit und Lebenslust trotz jahrhundertelanger Repression. An den mittelalterlichen Höfen wurde in dieser Kultursprache gedichtet und gesungen.

Drei Multitalente haben sich gefunden
Line Loddo singt mit starker Stimme, untermalt von Gesten und dem ganzen Körper. Ihr Temperament erhitzt, kühlt, wägt ab, je nach Text. Doch sind ihre Lieder auch getragen von ihrem eigenen Timbre, ihrer eigenen Interpretation. Die Tochter eines Sarden und einer Südfranzösin singt nicht nur, sie trägt auch eigene Texte in Okzitanisch vor und sie beherrscht mehrere Instrumente. Sie spielt ausgezeichnet Violine, Perkussion und Kontrabass. Ihr Temperament ist feurig, ansteckend und ihre Bühnenpräsenz beispielhaft.

Juliette Du Pasquier ist eine Violinistin grosser Klasse, ihre Geige scheint zeitweise ein Teil von ihr zu sein. Auch sie singt feurig oder ruhig begleitend und beherrscht ebenfalls den Kontrabass. Sie wirkt eher wie eine Elfe neben Line Loddos bodenständiger Präsenz. Beide Frauen trugen in der ersten Hälfte ihres Auftritts bordeauxrote Oberteile, Line Loddo dazu eine rote, gemusterte Hose und Juliette Du Pasquier einen orangefarbenen langen Jupe. Nach der Pause erschienen sie dann in nachtblau und schwarz-gemustert, entsprechend der Tangostimmung.
Dass ein Berner – selbstverständlich auch Okzitanisch singend und sprechend – die beiden Künstlerinnen mit Akkordeon, Piandoneon oder auf dem Klavier begleitet, ergibt eine ganz besondere Zusammensetzung. Marc Hänsenberger ist ein virtuoser Künstler, der sich oft zurückhaltend gibt, aber durch seine Anwesenheit zu dem Runden, Ganzen beiträgt, das eben gerade Musique Simili ausmacht.

Von der Vergänglichkeit des Lebens
Als Line Loddo ein Stück ankündigte, das die Vergänglichkeit des Lebens und der Immobilien besingt, ging ein allgemeines Schmunzeln durch den Saal. Lebensweisheiten, feurige Zigeunerweisen aus Rumänien und Bulgarien wechselten mit leidenschaftlichem Tango. Magische Augenblicke erzeugten die Frauen mit ausgezeichneten Schattenbildern, sei es der Interpret von «Rrrramona», sei es der Vogel, der in die Freiheit entschwebt. Die Loddo-Interpretation von Piafs «Mylord» war nochmals eine Mischung aus «wunderbar und komisch».
Der Abend endete mit einer Zugabe in Berndeutsch, was eine weitere Salve von Applaus auslöste, die wiederum eine weitere Zugabe brachte. Mit einem Lied, das eine unglaubliche Zungenfertigkeit erforderte, endete ein sehr spezieller Abend voller Lebensfreude.

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