Feurige Weihnachtsmusik

ROMANSHORN. Lieder aus Okzitanien, dem südlichen Drittel Frankreichs, sehnsücht ig- feur ige Zigeunerweisen, nur keine herkömml iche Weihnachtsmusik verzauberten das treue Publikum in der Alten Kirche.

Romanshorn, Tagblatt, 22.12.09, Alois Degenhardt

Sie gehören zu den beliebtesten Ensembles in der Schweiz, sind auf grossen und kleinen Bühnen im Land zu finden, fesseln ihr Publikum mit authentischer Musik aus Frankreichs Süden und sprengen dabei die Grenzen der katalanischen Zigeunermusik: Musique Simili.

Verinnerlichte Musik
Nur einen kleinen Moment lang vermisst der Zuhörer die traditionelle Flamenco- Gitarre. Dafür fasziniert ihn augenblicklich das Akkordeon des Berner Marc Hänsenberger, der als Strassenmusiker diese spezielle Musik aus dem französischen Mittelmeerraum verinnerlicht hat und die perfekte Beherrschung seines Instrumentes mit einer unnachahmlichen Hingabe ergänzt. Mit Line Loddo und ihrer unverwechselbaren Stimme, perfekt und kreativ am Kontrabass, der einzigen Okzitanierin übrigens im Terzett, und Juliette Du Pasquier, etwas weiter aus dem Norden, die angeblich nie ein Konservatorium besucht hat, verbindet ihn die Liebe zu einer Musik, die als Grundlage für Neues, Unverwechselbares dient.

Mehr als Zigeunermusik
Fremdartig, beeindruckend, wurden die mittelalterlich-archaisch klingenden Weihnachtslieder aus dem Süden empfunden. Doch das Spektrum von Musique Simili, dem Wort nach eine Musik, die etwas nachahmt, um Neues zu gestalten, ist weit. «Sol y Sombra», Licht und Schatten, steht über dem Programm und macht die Musik des Ensembles aus.

Ungarisches Feuer, rumänischer Melodienreichtum, spanischer Flamenco: Alles, was Zigeunermusik in sich vereint, wird assimiliert, ironisch umgedeutet und mit Humor und vor allem einer atemberaubenden Musikalität als oft spektakulär Neues empfunden ohne seine Wurzeln zu verleugnen.

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