Feurige Musik und Schattenseiten

Pia Zeugin, Bielertagblatt, 5.2.09

Das neue Programm der Seeländer Gruppe Musique Simili ist ein musikalisches Feuerwerk. Die Musiker haben den Tango aufgegriffen und integrieren auf der Bühne das Schattenspiel.

Die in Biel lebende Sängerin Line Loddo ist Tochter eines Sarden und einer Südfranzösin aus Okzitanien. Nun nutzt sie ihre okzitanischen Wurzeln für einen besonderen Klang ihrer Musik. Die Mutter habe ihr viele Lieder gelernt und die besondere, aussterbende, wunderbar klingende Sprache.

Das Okzitanische ist eine rebellische Version des Französischen und bezeichnet Lebenslust trotz jahrhundertelanger Repression. Die ehemalige Kultursprache, eine Mischung aus Spanisch und Französisch, kam an mittelalterlichen Höfen zum Einsatz, zur Zeit der Troubadoure. Geeignet ist die Sprache für Lieder mit grundlegenden Empfindungen wie Freude, Trauer, Wut und Liebe, aber auch für Protest. Loddo möchte diese Aspekte auch im neuen Programm in die Lieder einfliessen lassen, die sie zusammen mit den Kollegen von Musique Simili im Carré Noir präsentiert.

Feurig und geheimnisvol
Das Trio machen zusätzlich Juliette Du Pasquier und Marc Hänsenberger aus. Ungewöhnlich: zu Violine, Kontrabass, Klavier und Akkordeon hat Letzterer das Piandoneon hinzugenommen. Das Instrument liess er sich speziell anfertigen. Es ist eine Kombination von Akkordeon und Bandoneon. Damit spielt er nun Tango-Suiten, neu im Programm von Musique Simili.

Nun habe das Programm noch mehr Tiefgang, es gebe traurige und fröhliche Musik im Wechsel, bezeichnet durch den Titel "Sol y Sombra", Sonne und Schatten. Als Grundlage bleibt, auch nach dem letzten Programm, die musikalische Ausrichtung als Mix aus okzitanischem Liedgut und rumänischen Zigeunerweisen, neu eben aufgemischt mit dem leidenschaftlichen Tango. Gespielt werden auch tänzerische Polkas, wie auch ein Gassenhauer in Berndeutsch.

Paravent und Schattenspiel
Eine Besonderheit kommt hinzu: mit viel Witz werden hinter den zwei Stellwänden Figuren projiziert, so ein Jongleur oder ein Schatten, der sich mit der Musik bewegt. Schon früher haben die Musiker Schattenspiele integriert, nun ziehen sich diese durchs Programm.

Anstelle von Programmansagen und des Erklärens der Lieder sei nun das Schattenspiel getreten. Hinter einem Paravent werden die Inhalte inszeniert, dies von den Musikern selbst. Das Ganze sei poetischer, liebevoller und schöner als die direkte Sprache, betonen die Musiker. Dieser darstellende Teil unterstreicht die lebhafte Szenerie auf der Bühne: Loddo unterhält das Publikum mit ironischer Poesie, Scherzen, Geschichten und Tanzlust, und Du Pasquier lässt ihre Zigeunergeige vibrieren, stottern, lachen und weinen.

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