Schattenspiel und Lebenslust

Sol y Sombra – mit fröhlicher, feuriger, aber auch melancholischer Zigeunermusik begeisterten am Mittwochabend Musique Simili ihr Publikum. Das Trio bringt mit seinem neuen Programm den Sommer zurück und verzaubert mit Poesie.

Sandra Biberstein, Der Landbote 5.12.08

WINTERTHUR – Ausverkauft war die Audiobar Coalmine. Und dies zu Recht! Musique Simili präsentierten ihr neues Programm «Sol y Sombra». Wie Sonne und Schatten erklingen denn auch die Lieder. Sie fliessen mit leidenschaftlicher Lebenslust in Melancholie über und werden mit einem Funken Ironie wieder aus diesen Schatten geholt. Line Loddo, Juliette Du Pasquier und Marc Hänsenberger entführen mit einem Mix aus okzitanischen und osteuropäischen Liedern in eine sommerlich südliche Atmosphäre.

Okzitanisch, die Sprache, in der Line Loddo nebst dem Slawischen singt, ist das alte Französisch des Südens, das aus der Zeit der Troubadoure stammt. Dass dieses alte Französisch einst eine glühende Kultursprache war, merkt man den Liedern an, die von Unbändigkeit und Lebenslust nur so sprühen, trotz jahrhundertlanger Repression. Ein okzitanisches Protestlied durfte im Programm von Musique Simili folglich auch nicht fehlen. Line Loddo, die als Tochter eines Sarden und einer Südfranzösin aus Okzitanien stammt, sang die Lieder mit einer Freude, die ansteckend wirkte und dem eigentlichen Schattendasein dieser Sprache neues Leben einhauchte. Das Trio spielte aber nicht nur feurige Zigeunermusik aus Okzitanien, sondern auch bulgarische und rumänische, zum Beispiel von Django Reinhardt.

Lin Loddo verzaubert mit ihrer rauhen Stimme und ihrer ironischen Poesie das Publikum, sie macht Scherze, erzählt Geschichten mit den Liedern, zeigt Tanzlust und behält selbst dann noch ihre Fröhlichkeit, wenn die Lieder von der Vergänglichkeit des Lebens handeln. Sie besitzt einen ganz besonderen Wortwitz, den man versteht, auch wenn man kein Okzitanisch spricht. Juliette Du Pasquier spielt auf ihrer Zigeunergeige nicht nur Musik, sie lässt ihre Geige singen, lachen, vibrieren, scherzen, stottern und auch weinen. Selbst ein Vogelgezwitscher imitiert sie. Den Kontrabass beherrscht sie in der alten Tradition der Zigeunermusik und gelegentlich singt sie auch. Der Berner Marc Hänsenberger bedient die Tasteninstrumente. Ob das nun ein Klavier, ein Akkordeon oder ein Pandoneon ist, der Musiker spielt französischer als jeder Franzose. Und sein charmantes Berndeutsch kommt in der Zugabe, die zur Abwechslung auf Schweizerdeutsch gesungen wird, zur Geltung.

Wenn es im Programm des Trios schon um Schatten geht, darf ein Schattenspiel auf der Bühne natürlich nicht fehlen. Mit viel Witz werden hinter den zwei Stellwänden Figuren projiziert, sei dies ein Jongleur, ein Vogel, der durch die Lüfte schwebt, oder einfach ein Schatten, der sich mit der Musik bewegt und ihr einen besonderen visuellen Effekt verleiht. «Sol y Sombra» ist originell, virtuos und einfach amüsant und es entzündet die Liebe zur feurigen okzitanischen Musik.

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