Promenade mit Musikbegleitung

Sarina Kürsteiner

Das dreiköpfige Ensemble Musique Simili lud mit seinem Programm «Promenades» zu einem Spaziergang der besonderen Art in die Obere Mühle Dübendorf ein.

Das Ensemble Musique Simili setzt sich aus drei Musikern zusammen: Die aus Südfrankreich stammende Juliette Du Pasquier vermochte mit Geige, Gesang und Bass das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Es erstaunt sehr, dass Du Pasquier keine professionelle Ausbildung an einem Konservatorium absolvierte, denn ihr Spiel zeugte zweifelsohne von einer solchen.

Line Loddo, die zweite Frau des Ensmbles, Tochter eines Sarden und einer Südfranzösin, sang wie es ihre Herkunft ahnen liess temperamentvoll mit rauer Stimme und ebenso beherrschte sie Kontrabass und Geige. Der Mann im Trio, Marc Hänsenberger aus Bern, sorgte am Akkordeon, Klavier und Gesang mit seiner eher ruhigen, verträumten Art für den Ausgleich zu den zwei Frauen. Er stand den Damen aber musikalisch keineswegs hinterher. Alle drei Künstler zeichneten sich durch ihre Individualität, Emotionalität und ihr universales Können aus, die ihre Instrumente nicht nur spielen, sondern sie zum Leben erwecken.

«Promenade» vom ersten Moment an

Genau wie im Programm des Ensembles versprochen, sollte der Abend auch verlaufen: Kaum hatten die Musiker die Bühne betreten, griffen sie zu ihren Instrumenten und nahmen das Publikum auf einen Spaziergang von Spanien über Frankreich, den Balkan und die Ukraine mit. Sie spielten Volks- und Zigeunermusik, französiche Chansons, okkzitanische Lieder und auch selber Komponiertes.

Bei jedem Stück, ob selbst komponiert oder ein Klassiker, handelte es sich um eine Interpretation des Ensembles und somit um ein eigenes, neues Klangbild. Es wurde schnell klar, was die Musiker dem Publikum mitgeben wollten: Die eigene Freude an der Musik und am Leben überhaupt: «La vie est une belle promenade. Allez-y!»

Vielfältige Formationen

Der Abend bot so viel Abwechslung, wie man es auf einem normalen Spaziergang wohl kaum erleben würde. Du Pasquiers wechselte von der Geige zum Bass, Loddo vom Gesang zum Bass und zur Geige. Kaum hatte man sich versehen, sass Hänsenberger nicht mehr am Klavier, sondern mit dem Akkordeon unter dem Sonnenschirm. Trotz der vielen instumentalen Wechsel hatte keiner eine klare Hauptrolle. Die drei Musiker waren auf dem Spaziergang stets «miteinander» unterwegs.

Auch das Können und die Kreativität im technischen Bereich überzeugten. Du Pasquiers schlug mit dem Bogen zwischen den Stimmwirbeln hin und her oder zupfte eine Sequenz und trommelte dann den Abschluss auf die Geige. Sie brillierte mit perfekten Trillern, Staccato, Pizzicato, Flageoletten und Doppelgriffen. Du Pasquiers ist Zweifels ohne eine Virtuosin auf ihrem Instrument. Sie spielte mit so viel Herzblut und Kraft, dass man zwischendurch das Kolofonium stäuben sah und auch ein Bogenhaar riss.

Die Sängerin Loddo faszinierte vor allem durch ihren Charakter, den man in ihrer Stimme wieder erkannte und der in keinem Stück fehlte. Mit ihrer Mimik und Haltung gelang es Loddo, den Zuhörern zu zeigen, was sie als nächstes singen würde. Immer wieder leiteten die Musiker das Publikum mit viel Witz und Charme vom einen Stück zum anderen. Während einzelner Lieder wurde Theater gespielt und zur Untermalung des «Promenade» Requisiten verwendet. Auffällig war, dass das Publikum besonders bei Liedern, die der eigenen Kultur näher waren oder deren Inhalt sie verstanden - bei französischen und deutschen Liedern - intensiver mitwirkte. Während des Liedes «Petit Bateau» wurden die Blicke einzelner Zuschauer verträumter und ab und zu legte sich ein Arm um eine Schulter.

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