Laufner Wochenblatt

13.3.2008 (Gaby Walther)

Chansons im Zigeunerlook Lebenslust, Zigeunermusik und Poesie tönten letzten Freitag aus dem alten Schlachthaus. Musique Simili nahm das Publikum auf einen musikalischen Spaziergang mit.

Ein Rasenteppich, ein roter Sonnenschirm, ein Picknickkorb - Musique Simili zauberte am letzten Freitag sommerliches Flair ins dunkle Schlachthaus und liess einen den Duft der Provence riechen. Die zwei Französinnen und der Berner nahmen das Publikum mit auf eine Reise von Okzident und Orient, auf einen Spaziergang mit Zigeunermelodien von Ungarn bis Süddeutschland. Angezogen wie Strassenmusiker in Südfrankreich, doch musikalisch professionell, liessen sie wehmütige, schwermütige, leichte, fröhliche und rassige Melodien erklingen. Jeder der drei Musiker ist ein absoluter Könner auf seinem Instrument. Abwechslungsweise stahlen sie sich die Show und harmonierten trotzdem.

Staunend verfolgte man das virtuose Spiel von Juliette Du Pasquier auf ihrer Zigeunergeige. Sie entlockte ihrem Instrument leise und laute Töne, liess es singen und sprechen, sogar einen Vogel imitieren. Dabei wirkte die Französin so locker, als wäre es keine Kunst, auf der Violine zu spielen. Doch es genügte ihr nicht, nur mit dem Bogen die Saiten erklingen zu lassen. Sie zupfte und klopfte, verwandelte das Streichinstrument in eine Rassel und in ein Rhythmusinstrument, lotete alle Möglichkeiten aus.

Ihre beiden Mitmusiker wollten da natürlich nicht hinten anstehen. Marc Hänsenberger zeigte sein grossartiges Können am Klavier und am Akkordeon. Auch er hatte Freude am Experimentieren, spielte auf den Tasten und griff gleichzeitig in den Flügel, um die Saiten zu zupfen. Am Picknicktisch liess er zum Staunen des Publikums seine geschickten Finger über eine Art Klavierteppich gleiten. Immer wieder wurde die Musik mit witzigem Spiel verknüpft.

Die dritte Persönlichkeit auf der Bühne war Line Loddo, die nebst dem Kontrabass vor allem das Singen beherrscht. Sie begrüsste das Publikum in Okzitanisch, einem südfranzösischen Dialekt. Mit ihrer unglaublichen Stimme und ihrer starken Präsenz liess sie Chansons und Zigeunerlieder auferstehen, ahmte den typisch rauen Gesang der legendären Edith Piaf nach, wechselte zu lieblichen, witzigen Tönen und sang mit französischem Charme ein zungenbrecherisches Mani Matter-Lied. Musique Simili war wie ein bisschen Sommerferien. Frierend zog man den Mantel nach dem Konzert wieder eng um sich.

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