Anzeiger von Uster

17.08.05 (Regula Berger-Hess)

Musique Simili brachte einen Hauch von Süden, von Frohsinn und Poesie nach Uster und sorgte mit seinem neuen Programm „Pique-nique“ für Hochstimmung im Stadthofsaal. Sie reisen wieder durchs Land und hinterlassen eine Spur der Lebensfreude. Das franko-helvetische Ensemble Musique Simili, für sein bisheriges Schaffen mit dem Thuner Kleinkunstpreis belohnt, bringt mediterrane Sinnenfreude in den Schweizer Alltag. Keine Frage, das „Pique-nique“, welches Line Loddo, Juliette Du Pasquier, Marc Hänsenberger und Roli Kneubühler in Uster erstmals vor Publikum aus dem Korb packten, mundet. Die vier Kommunikationskünstler sind urmusikalische Allrounder, die ein vielfältiges Instrumentarium beherrschen und dabei ihre individuellen Stärken uneingeschränkt ausspielen. Mit alternativem Charme, jeden billigen Klamauk und schenkelklopfenden Sauglattismus meidend, lockt das originelle Quartett seine Zuschauer in die Ferne. Hin in den Süden Frankreichs. Wer die vom Verschwinden bedrohte Sprache des Langue d‘oc - das Okzitanisch - kennen lernen will, wird sich die Lieder, welche aus der Heimat der Sängerin Line Loddo stammen, besonders aufmerksam anhören und sich, auch wenn er kein einziges Wort versteht, von deren herbem Reiz gefangen nehmen lassen. Kommt dazu, dass Line Loddo über eine wunderbar körperhafte Stimme verfügt, die, warm und erdig, mit dem Sprachklangideal zur Deckung kommt. Klar haben auch Melodien aus anderen Regionen ihren Platz unter dem grossen roten Sonnenschirm, der den Blickfang der sparsam, aber zweckdienlich eingerichteten Szenerie bildet. Musique Simili folgt den Zigeunern quer durch Europa, überschreitet geographische und musikalische Grenzen ebenso souverän wie leichtfüssig.

Mit schlankweg berauschender Wandlungsfähigkeit machen sich die Tausendsassas von Musique Simili den Melodienreichtum aller Herren Ländern zu eigen, schneidern Bekanntes und Unbekanntes auf ihr persönliches Mass und bereiten daraus eine erfrischende Mixtur, die dazu angetan ist, jede Art von Schwermut zu vertreiben. Von den Qualitäten der Sängerin Line Loddo war schon die Rede. Aber selbstverständlich ist bei Musique Simili mit jedem einzelnen Ensemblemitglied zu rechnen. Roli Kneubühler lässt feine Komik ins Geschehen einfliessen, hält neben Geige, Kontrabass und Flautino, die Fäden der Regie so locker in der Hand, dass von aussen betrachtet, genügend Raum für spontane Eingebungen bleibt. Marc Hänsenberger - ein verschmitztes Schmunzeln liegt auf seinem Gesicht - erweist sich als äusserst behender Akkordeonist und Pianist, der, bietet sich Gelegenheit, gerne aus dem Schatten des Begleiterdaseins schlüpft, um zu zeigen was er kann. Und das ist nicht wenig. Jedenfalls trägt er zu manchem Höhepunkt des Abends bei, ebenso wie Juliette Du Pasquier, die Frau mit der Zaubergeige. Was die temperamentvolle Musikerin auf ihrer Geige alles fertig bringt, überrascht und fasziniert. Als Solistin, etwa mit der Adaptation des berühmten Tangos „Jalousie“ brilliert sie, zieht alle Register ihres Könnens, um sich flugs ebenso spielfreudig wieder ins Ensemble einzuordnen und zusammen mit ihren sympathischen Kollegen das Finale furioso zu zünden. Wen wunderts, dass das Publikum auf seinen Stühlen kaum mehr still sitzen konnte und sich die allseitige Begeisterung über einen glücklichen Abend voller Witz, Poesie und mitreissender Musik in herzlichem Applaus entlud.

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