NZZ am Sonntag

18.12.05 (Manfred Papst)

Das 1996 gegründete franko-helvetische Quartett Musique Simili widmet sich der Kleinkunst im schönsten Sinn des Wortes: Weltoffenheit und Nostalgie, Virtuosität und Clownerie, Ironie und Sentimentalität finden zusammen in einer imaginären Zigeunermusik, die sich aus okzitanischen und ungarischen, jiddischen und eigenen Quellen speist. Auch in ihrer achten CD, die zu einem opulenten musikalischen „pique-nique“ einlädt, bezaubern die vier Multiinstrumentalisten durch Charme, Temperament und Originalität. Besetzung und Rollenverteilung sind die bekannten: Die Südfranzösin Line Loddo, die Kontrabass, Drehleier und Violine spielt sowie singt, übernimmt den Part der Feurigen; Juliette Du Pasquier aus dem Bordelais, Violinistin und gelegentlich Bassistin, gibt verschmitzt die Liebliche.

Die gleichen Instrumente wie sie spielt auch Roli Kneubühler, der Fröhliche, während Marc Hänsenberger das Akkordeon und den Flügel bedient und den Stoiker mimt, aber den ganzen Wanderzirkus zusammenhält. Von fremdländischem Zauber sind die Lieder, die Line Loddo auf Okzitanisch singt, einer Sprache, die man mit dem Herzen versteht (und doch gern im zweisprachigen Booklet nachliest). Musique Simili servieren keine Nouvelle Cuisine, sondern ein kräftiges, würziges Déjeuner sur l‘Herbe. Nichts für Puristen und Kopfmenschen; für alle andern ein buntes Divertimento.
Copyright © 1998 - 2016 - Design & Development by uny.ch