Kiebitz

01.09.06 (Annina Sorg)

Als Schmelztiegel der Kulturen könnte das Feuerwerk, dem ein Konzert von Musique Simili gleicht, bezeichnet werden. Mal singt Line Loddo in ihrer Muttersprache Okzitanisch, mal fabuliert sie auf Ungarisch, um wiederum auf Französisch eine Geschichte zu erzählen, wobei sie von Juliette Du Pasquier an der Violine, am Kontrabass und beim Gesang und von Marc Hänsenberger an den „Tasten und Knöpfen“ (Akkordeon, Piano) unterstützt wird. Dass ein Picknick auch ohne Sonne, Wiese und Schatten spendende Bäume schmecken kann, bewiesen die energiegeladenen Musiker mit Stücken von atemberaubender Schnelligkeit und wunderschönen Melodien.

Vielleicht rühren die Selbstsicherheit und Selbstverständlichkeit, mit der Musique Simili auftreten, davon, dass ihnen eine strenge Trennung zwischen Komposition und Interpretation fern liegt. Stellvertretend für den Geist von Musique Simili, was so viel heisst wie „verfälschte Musik“; steht das Stück „Air de pique-nique“: Es handelt von einem Volk, das sich, eingeklemmt zwischen zwei Meeren, in seiner Isolation langweilt und zum traurigsten aller Länder wird, bis „sich der Wind dreht“ und ein fremdes Volk vorbeikommt und ihnen die Freude (zurück-)gibt. Fortan werden Toleranz, Liebe und das Aufleben der Kultur gefeiert. Mit „Air de pique-nique“ besingt Musique Simili die frische Luft, die durch das Verschmelzen verschiedener Kulturen entsteht, ohne dass dabei Traditionen aufgegeben werden müssten.
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