Rheintalische Volkszeitung

04.09.06 (Anna S. Wendel)

Mit altbekannten Gästen und einem neuen Foyer startete das Diogenes-Theater am Samstag in seine neue Saison. Bis auf den letzten Platz füllten Besucherinnen und Besucher das Kleintheater – die Musik aus «Musique Similis» neuem Programm «Pique Nique» füllte die Zwischenräume. Für das Diogenes-Theater ist «Musique Simili» keine Neuentdeckung: Schon viermal fand die franko-helvetische Formation Platz im Programm, «mindestens», meint Diogenes-Präsidentin Vroni Dreier. Und was sich bewährt hat, überzeugt auch immer und immer wieder. Die Musik zeigt, was die kühlen Gemüter Mitteleuropas erst wiederentdecken, oder kennen lernen, wenn es ihnen gezeigt wird: Das Feuer, gemischt mit Melancholie wie mit Lebensfreude. «Es ist die Musik der Zigeuner mit Zutaten der südfranzösischen und der ungarischen Küche, auf der Zunge deutlich auch die slawische Note», beschreibt es das Diogenes-Programm. Tatsächlich ist es nicht nur eine musikalische Reise durch den Mittelmeerraum und Osteuropa, sondern auch eine sprachliche.

Vom Französischen, über das Okzitanische, bis hin zu traditionellen Zigeunerdialekten sind auch sprachinteressierte Zuhörerinnen und Zuhörer gefordert, sich in das Lebendige der Musik hineinzufühlen. Die südfranzösische Sängerin Line Loddo beweist aber, dass sie auch Schweizerdeutsch kann. «Was isch es Sandwich ohni Fleisch? – Nüüt als Brot», singt sie mit charmantem französischen Akzent. Während fast zwei Stunden pique-niquet das Publikum mit «Musique Simili», kostet von den Oliven, dem Baguette und dem leichten Rotwein. Während Line Loddo singend die Weingläser füllt oder den Takt mit den Saiten des Kontrabasses unterstreicht, spielt Juliette du Pasquier ihre Geige, als sei diese das einzige Instrument, mittels dem sich Gefühle ausdrücken lassen. Der Berner Marc Hänsenberger trifft die Tasten des Akkordeons wie zufällig, das Klavier spielt er auch schon mal mit Händen und Plektrum.
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