Schaffhauser Nachrichten

20.09.06 (Ursula Noser)

Die beiden Okzitanerinnen, also Südfranzösinnen, und der Bieler touren seit April auf Erfolgskurs durch die Schweiz. Sie spielen hingebungsvoll mit Akkordeon, Klavier, Bassgeige, Zigeunergeige und dem eigenständigen Gesang, der Line Loddo auch als Sprachakrobatin ausweist - wenn die Wogen hochgehen. Und sie gingen hoch. Und zwar an diesem Regensonntag sowohl draussen, als der undurchsichtig dahinschiessenden Thur das Bett zu eng werden wollte, da sie Bäume aus dem Toggenburg mit auf die Reise genommen hatte, als auch drinnen im Saal mit den Bürgerwappen. Da riss auch ein Strom mit. Kunstvoll und ohne Furcht vor Verheerungen. Einer, der das Publikum beim Applaudieren fast ausser sich geraten liess und die Gemüter weit machte. Wunderschön. Das Trio «Musique Simili» entfaltete Reales wie das Picknickgestühl mitsamt Tisch und Weingläsern. Verlockend liessen sie das Publikum mitziehen mit den Träumen, die dem Zigeuner und seinen Melodien nachfliegen, wenn die Sängerin seine und ihre Geschichte besingt. Traumhaft dazu das fantasievolle Spiel des Akkordeonisten, ergreifend zart und auch wild die Musik der Geigerin Juliette du Pasquier ... Viel gelacht werden durfte bei den reizenden Einfällen, mit denen das virtuose Spielen einherging. Der Akkordeonist - wie einst von Edith Piaf auch von Line Loddo leidenschaftlich besungen - konnte durchaus mit den Fingern der einen Hand auf der Stirnseite des Instrumentes den zündenden Takt der Flamencoabsätze klopfen und mit der andern sich in der Melodie ergehen.

Marc Hänsenberger vollführte auch mitten in einem Lied den Balanceakt mit dem vollen Weinglas, und er musizierte mit allem, sogar auf einem ausgerollten Band mit Klaviertastatur. Auf der Zigeunergeige porträtierte Juliette du Pasquier feinfühlig die nuancenreiche Vogelwelt, sodass man beim Lauschen auch zu sehen wähnte. Musikalisch spannte sie den Erwartungsbogen zwischen Verhaltenheit und Rasanz, sie balancierte absolut genau über die Oktaven und liess die Tempi tanzen. Und welch reizende Präsenz gab die Sängerin Line Loddo, ob sie nun in «Langue-doc» frische Volkslieder sang oder das Matter'sche «Sandwich» erläuterte und gekonnt mittat, wenn ein Instrument das andere zum schnellen Tanz verführte, der mal an Rumänien, mal an Israel erinnerte. Simili. Funkelnd! Alle drei sind instrumental «mehrsprachig». Doch bei ihrer solistischen Grösse lassen sie sich als Einheit nicht auseinander dividieren. Gerade dieses Zusammenspiel mit der Voraussetzung von strahlender Fantasie hat die Weinländer Kulturfreunde auf Anhieb gewonnen.
Copyright © 1998 - 2016 - Design & Development by uny.ch