Werdenberger & Obertoggenburger

28.02.07 (Gian Ehrenzeller)

Spiel- und Gaumenfreuden Am Samstag packten Musique Simili im fabriggli den Picknickkorb aus. Das bedeutet nicht nur unterhaltsame, mal fröhliche, mal schwermütige Zigeunermusik, sondern auch schlemmen nach Herzenslust. Reichhaltig ist das Buffet, das die Gäste des fabrigglis im Rahmen des Programms «pique-nique» der Gruppe Musique Simili erwartet: Ungarische Salami, verschiedene Käsesorten, gefüllte Peperoni, Cassoulet-Salat und noch vieles mehr, dazu Vin de Provence, wie es sein soll. Den Gästen scheint es zu schmecken – so wird es den Teammitgliedern am Buffet auch nicht langweilig. Die Bühne des fabrigglis mutet wie ein Ausschnitt aus einem sommerlichen Picknick im Grünen an – ein grosser, roter Sonnenschirm, die Bühne begrünt, ein stilechter Picknickkorb. Dem Publikum bietet sich ein Picknick, allerdings jetzt keines, in das man herzhaft reinbeissen könnte, sondern eines um zuzuschauen, zu lachen und zu träumen. Wechsel der Gefühle und Sprachen Line Loddo, die den Abend singend, mit Kontrabass und Violine bestreiten wird, schaut hinter dem Schirm hervor – begleitet von leisen Klängen erhebt sich die vierköpfige Band, bestehend aus je zwei Schweizern und Französinnen. Sie eröffnen, in sommerliche Grüntöne gekleidet, jetzt nicht mehr leise, sondern stimmgewaltig, mit zwei Violinen, Kontrabass und Akkordeon, das Konzert. Musique Simili nehmen das Publikum mit auf eine musikalische Reise, auf ein Picknick in die Provence, mitunter auch nach Ungarn. Sie sind dabei im einen Moment noch fröhlich und unbeschwert, im nächsten schon tieftraurig, verlieren aber nie ihre Spiel- und Lebensfreude, die sie auf das Publikum zu übertragen wissen. Der erste Song ist unter Beifall abgeklungen. Line Loddo richtet sich ans Publikum, Worte schiessen in schwindelerregender Geschwindigkeit und Anzahl dahin. Marc Hänsenberger ist dem Publikum gnädig und übersetzt: «Sie het gad gseit, grüessech metenand.» Musique Simili beweisen immer wieder ihre Verspieltheit und Versiertheit in jedem Sinne. So wechseln Line Loddo, Juliette du Pasquier und Roli Kneubühler immer wieder zwischen Violine und Kontrabass – aber auch zwischen Französisch, dem galloromanischen Okzitanisch, Italienisch, Deutsch, Spanisch und, im Falle von Marc Hänseberger, Berndeutsch – hin und her.

Ich bin auch eine Trommel Die Gruppe beschränkt sich nun nicht darauf, ihre Instrumente im eigentlichen Sinn einzusetzen. Das klingt nicht nur ansprechend, sondern ist auch amüsant. Juliette Du Pasquier begleitet ein Lied, indem sie Fäden der Umwicklung der Violinsaiten, einen nach dem anderen, abzieht oder die Geige nicht nur als Zupf- und Streich-, sondern, trommelnd und schüttelnd, auch als Perkussionsinstrument oder Banjoersatz nutzt. Roli Kneubühler paddelt, immer noch spielend, mit der Geige über die Bühne und zurück oder liefert sich, von Violine zu Violine, ein Zwiegespräch mit Juliette du Pasquier. Mitunter wird die Band auch erfinderisch: Nicht nur Muscheln, sondern auch ein Koffer und sogar der Sonnenschirm dienen der Trommelei. Musikalische Artistik Roli Kneubühler und Line Loddo klappen einen Picknicktisch auf, von Marc Hänseberger auf dem Akkordeon begleitet. Sie schenken sich Champagner ein, singen sitzend. Juliette du Pasquier reicht Marc Hänseberger ein Glas Champager. Dieser erweist sich als Gleichgewichtskünstler, trinkt und spielt trotzdem weiter, vollführt danach einen Balanceakt mit dem Glas auf dem Akkordeon und setzt auch so zum Trinkversuch an. Artistisch mutet auch das Duett von Juliette du Pasquier und Line Loddo an. Erst spielt jede für sich, dann spielen sie gemeinsam auf einer Geige, alsbald beide Geigen mit einem Bogen, dann die Geige auf dem zwischen die Beine geklemmten Bogen, schlussendlich den Boden der Violine – was das Lied, dank der Unterstützung hinter der Bühne, aber keineswegs unterbricht. Neben ziganem und okzitanem Liedgut erweisen Musique Simili sowohl Edith Piaf als auch dem Grossen des Berner Chansons die Ehre: Line Loddo singt, in stilechtem Berndeutsch, unterlegt mit charmantem Akzent, Mani Matters «Betrachtige über nes Sandwich». Unter stürmischem Beifall endet der musikalische Teil des Abends. Wer noch nicht genug vom Pique-nique hat, begibt sich zum Buffet und entflieht so nochmals in die Provence.
Copyright © 1998 - 2016 - Design & Development by uny.ch