Mittellandzeitung

29.03.07 (Susanne Brem)

Ein riesiger roter ausgebleichter Sonnenschirm, ein zerschlissener Strohhut, ein Picknickkorb voller Köstlichkeiten und vier Musiker voller Lebensfreude: mediterrane Stimmung mit Akkordeon, Geigen und Kontrabass. Es beginnt mit diesen Geigenklängen. Dann stimmt das Akkordeon ein. Schliesslich der Kontrabass. Der Rhythmus ist schnell, leidenschaftlich, voller Lebensfreude und Temperament. Allein bei diesen ersten Takten braucht es nicht viel, bis sich der Zuschauer das Lagerfeuer der Zigeuner vorstellen kann und den Sand unter den nackten Füssen. Am Dienstagabend nahmen die vier Musikerinnen und Musiker von Musique Simili ihr Publikum mit auf eine Reise nach Südfrankreich. In den Klängen der Musik schwang eine frische Meeresbrise mit. Und unterm roten Sonnenschirm ein Picknickkorb voller Köstlichkeiten: frische Baguettes, Saucissons, Obst, Käse, eingelegte Oliven und ein Glas kühler Wein. Es klingt so unbeschwert, so spielerisch - und spielerisch ist auch der Umgang mit ihren Musikinstrumenten. Einmal zieht die Geigerin Juliette Du Pasquier doch tatsächlich einen Bindfaden durch die Saiten ihres Instrumentes: Zu hören ist ein eigenartiges knarziges Geräusch, zu dem man singen kann. Ihre Geige spielt sie manchmal auch wie eine Gitarre, dann stimmt der Kontrabass mit ein und spielt die gleiche Melodie. Oder sie trommelt auf ihrer Geige einen Rhythmus. Als die vier ein Lied übers Meer anstimmen, braucht der Geiger Roli Kneubühler sein Instrument als Paddel, und mit seinen Kameraden rudert er über die Wellen. Eindrucksvoll die Stimme von Line Loddo.

 Die gebürtige Südfranzösin beherrscht «la langue d’Oc», Okzitanisch, den einzigartigen Dialekt aus Südfrankreich. Als sie das eher melancholische Lied «Mon pot’ le gitan» › «Mein Freund der Zigeuner» › anstimmt, da erinnert ihre kraftvolle, rauchige Stimme ein wenig an Edith Piaf. Umso mehr freut sich der Zuschauer, als die vier Musiker im zweiten Teil des Programms tatsächlich ein Piaf-Lied spielen: «L’accordéoniste». In ihrem Repertoire haben die beiden Schweizer - Marc Hänsenberger und Roli Kneubühler - und die beiden Französinnen - Line Loddo und Juliette Du Pasquier - aber auch Lieder aus Rumänien und aus der Ukraine. Sie singen auf Russisch und sogar in Jiddisch. «Wir haben Freunde in Rumänien», sagen die vier im Gespräch, «von ihnen bekommen wir die Lieder.» Oftmals sind es traditionelle Volkslieder, die sie zwischen Osteuropa und Südfrankreich einsammeln. Sie erzählen, wie sie auch schon mit dem Kassettenrekorder zu alten Menschen nach Hause gegangen sind, um diese Lieder aufzunehmen - Volkslieder, die vielleicht sonst verloren gingen. Musique Simili spielen seit zehn Jahren auf Bühnen in der Schweiz, Deutschland und in Frankreich. Wenn sie auftreten, zünden sie ein musikalisches Feuerwerk. «Une chanson d’amour» auf die mediterrane Lebensfreude. Verspielt und temperamentvoll.
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